Direkt zum Inhalt

Aus der Zeitung

https://epaper.stimme.de/artikel/fb7a0c0cfba2a049c15bfab8369d8a17dddc4df31618130e48035c7c072eedfe

Bewegung ist wichtig für die Entwicklung

Bei der Jahresversammlung der Günter-Steffen-Stiftung „Fit ins Leben“ spricht Sportwissenschaftler Stefan Schneider

Von Stefanie Pfäffle

Heilbronn Sie schlagen Purzelbäume und Räder, vollführen Salti, balancieren auf Bällen, düsen mit Einrädern durch den Saal des Alten Theaters in Sontheim und zeigen akrobatische Elemente an einem unter der Decke hängenden Reifen – rund 30 Kinder aus der Grünewaldschule und der Grundschule Alt-Böckingen beweisen bei der Jahresversammlung ganz praktisch, was die Günter-Steffen-Stiftung „Fit ins Leben“ bewirkt. „Wenn ich mitbekomme, dass am Anfang vielleicht zwei oder drei einen Rückwärtspurzelbaum schaffen und am Ende vom Jahr sind es 17, dann geht mir das Herz auf und ich weiß, wir machen das Richtige“, erklärt der Stifter.

Zirkus, Ballspiele, Schwimmen

Der Verein hat sich seit dem Einstieg von Hermann Flachsmann vor zwei Jahren kräftig vergrößert. Inzwischen ist die Stiftung an 14 Schulen im Stadt- und Landkreis tätig, bringt an die 2000 Kinder in Bewegung. Teilweise sind es Zirkusprojekte wie in Böckingen, an anderen Schulen geht es um Ballsport oder Schwimmen. „Was passiert in den Köpfen unserer jungen Talente, wenn sie da balancieren und jonglieren?“ fragt Geschäftsführerin Viola Reich-Dollmann in die Runde und kündigt damit auch schon den zweiten Programmpunkt des Abends an. Professor Dr. Dr. Stefan Schneider ist Vizepräsident der Deutschen Sporthochschule Köln, Leiter des Zentrums für integrative Physiologie im Weltraum, mit dem ESA-Astronauten unterstützt werden und hat selbst 20 Jahre Zirkus gemacht. „Körperlichkeit ist ein fundamentaler Teil des Menschseins“, erläutert er – und dementsprechend auch wichtig für die Entwicklung des Gehirns. „Früher ging es ums nackte Überleben, Tausende Jahre leisteten wir körperliche Arbeit“, stellt er fest. Geld verdienen im Sitzen, das geht erst seit wenigen Jahrzehnten.

In einem faszinierenden Film zeigt er im Zeitraffer, wie sich zwei Neuronen verbinden, das neurophysiologische Äquivalent zu einem Aha-Erlebnis. Denn beim Heranwachsen bilden sich gar nicht ständig neue Neuronen, sondern sie vernetzen sich und dieses Netzwerk entwickelt sich durch Erfahrung. „Beim Zirkusprojekt geht es also nicht nur um die Bewegung, sondern auch um das miteinander Agieren, sich gegenseitig Helfen und Nacheifern“, erläutert der Sportwissenschaftler und Theologe. Erfahrungen sind gerade in den ersten Jahren an Bewegung geknüpft, nur dadurch können sich Kinder gesund entwickeln.

Kinder haben bekanntermaßen einen hohen Bewegungsdrang, dadurch lernen sie, betont er. Früher war das schlicht überlebenswichtig, wenn es ums Jagen und Kämpfen ging, heute geht es eher darum, neurotrophe Proteine freizusetzen, welche die kognitive und soziale Entwicklung unterstützen. „Macht Bewegung also clever?“ Es gebe Studien, die das nahelegen, etwa dass bewegte Kinder besser in der Schule sind. 20 bis 30 Minuten zusätzliche Bewegung am Tag können die Note um eins verbessern. „Sport ist also kein Nebenfach, sondern eines der zentralsten Fächer überhaupt“, betont Stefan Schneider und erntet spontanen Applaus der anwesenden Sportlehrer.

Jetzt macht Sport nicht per se intelligent, aber er fördert die Aufmerksamkeit und Konzentration, baut außerdem Stress ab. Nach einer Theorie von Arne Friedrich besitzt das Gehirn nur begrenzte Ressourcen, überlegt also genau, wo es diese einsetzt. Sport schaltet den überlasteten Computer – in dem Fall den präfrontalen Kortex – ab und nutzt einen anderen Computer, den motorischen Kortex.

Studie über Marsreise

Um das zu überprüfen, wurden in der Mars-500-Studie, in der sechs Personen 520 Tage – die Zeit, die für eine Marsreise notwendig wäre – komplett isoliert in einer Art Raumschiff, aber natürlich auf der Erde, die Gehirnaktivitäten vor und nach Einheiten von verschiedenen Sportarten gemessen. Das Ergebnis: Durch die Bewegung nahm die Aktivität im präfrontalen Kortex ab, es wurde also Stress abgebaut.

Die Entwicklung des Kindes jetzt ist das Eine. Gleichzeitig gehe es bei Bewegung um die Zukunft, ist Stefan Schneider überzeugt und sieht sie als nichtmaterielle Altersvorsorge. „Jede Stunde Bewegung, die wir in die Kinder investieren, ist wichtig für später.“ Das spricht Günter Steffen aus der Seele: „Wir fühlen uns in unserer Arbeit bestärkt.“


Grundstein für Erweiterung von Schule und Markt

In einem Bericht aus der Heilbronner Stimme wurde über die Grundsteinlegung für den Neubau in Alt-Böckingen berichtet. Der Neubau schafft dringend benötigte Räume für die Weiterentwicklung der Grundschule Alt-Böckingen und soll moderne Lern- und Aufenthaltsbereiche einschließlich einer Schulmensa ermöglichen.

Auch Schülerinnen und Schüler der Schule waren bei der Grundsteinlegung beteiligt: Für eine Zeitkapsel fertigten sie Zeichnungen an, die beim Festakt in das Bauwerk eingebracht wurden. Der Einzug in den Neubau ist für 2027 vorgesehen.


Pressespiegel im Aufbau

Weitere Zeitungsberichte und Medienhinweise aus der bisherigen Schulwebsite werden auf dieser Seite nach und nach ergänzt, damit wichtige Veröffentlichungen zentral auffindbar bleiben.